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Praktisches Vorgehen Schritt für Schritt

Wie funktioniert die Verhaltenstherapie, sodass erfolgreich eine Verbesserung von Verhalten und Befinden eintreten kann? Am Anfang der Verhaltenstherapie stehen die Klärung der Beschwerden und die Suche nach Lösungsansätzen. Der Hauptteil der Therapie besteht im Änderungsprozess. In der Endphase werden die erreichten Veränderungen stabilisiert und der Therapeut nimmt seine Unterstützung schrittweise zurück.

Vor dem Beginn einer Therapie steht die Suche nach einem geeigneten Therapeuten. Man kann sich von seinem Hausarzt zu einer Therapie überweisen lassen, dies ist jedoch nicht zwingend notwendig. Ein Vorteil ist, dass der Hausarzt gegebenenfalls Kontakte vermitteln und einen oder mehrere Therapeuten speziell für das Problem des Patienten empfehlen kann.

Versicherte Patienten haben das Recht auf bis zu fünf Probesitzungen bei einem oder mehreren Therapeuten. Bereits in den Probesitzungen werden Probleme und Beschwerden sondiert und der Patient kann seine Wünsche und Erwartungen benennen. Wichtig ist, dass sich eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Patient und Therapeut aufbaut und beide Seiten zum Gelingen der Therapie beitragen.

Formell muss in der Anfangsphase der Therapie ein Therapieantrag bei der Krankenversicherung gestellt werden. Der Therapeut klärt den Patienten darüber hinaus über den Verlauf der Therapie, über Dauer und Kosten auf.

Im Hauptteil der Therapie beginnt die eigentliche Arbeit. Gemeinsam arbeiten Therapeut und Patient an Lösungen für die Probleme und Sorgen des Patienten und an der Umsetzung von Lösungswegen. Gemeinsam beurteilen Therapeut und Patient, ob der Weg erfolgreich war oder ob man auf andere Weise weiter arbeiten muss.

Ist der Patient mit den Änderungen und Lösungen zufrieden, dann beginnt die Endphase der Therapie. Die Veränderungen werden stabilisiert. Das Ziel der Verhaltenstherapie ist erreicht, wenn der Patient ohne die Hilfe des Therapeuten wieder gut leben kann.

Anfangsphase der Therapie

Die Klärung der Hauptprobleme und Ziele ist die wichtigste erste gemeinsame Aufgabe von Patient und Therapeut. Diese kann schon mal ein paar Sitzungen lang dauern. Wichtig ist, dass der Therapeut im Zusammenhang mit den Erwartungen und Wünschen des Patienten klar die Möglichkeiten und Grenzen der Therapie aufzeigt. Er wird den Patienten darüber aufklären, was auf ihn zukommt. Eine Therapie bedeutet eine Veränderung, deshalb muss dem Patienten klar sein, was dies im Speziellen heißen kann. Mit anderen Worten: Wer lernen will zu schwimmen, muss auch ins Wasser, auch wenn ihm dies zunächst Angst macht.

Zudem ist wichtig, dass der Therapeut deutlich macht, dass bestimmte Lebenstatsachen nicht verändert werden können und man nur am persönlichen Umgang mit ihnen arbeiten kann. Die Energie des Patienten soll sich auf änderbare Probleme konzentrieren.

In die Anfangsphase fällt auch die Entscheidung, welche Probleme zuerst in Angriff genommen werden sollen. Zudem stellt sich die Frage, ob weitere Personen in die Therapie einbezogen werden sollen oder können. Dies muss keine Hilfe von Personen aus dem sozialen Umfeld des Patienten sein, es kann sich auch um spezielle Organisationen oder Einrichtungen handeln (wie Arbeitsämter, Sozialarbeiter).

Auch die Art und die verschiedenen Möglichkeiten des Hilfsangebots müssen besprochen werden. Ist für den Patienten eine Einzel- oder Gruppentherapie hilfreicher? Kann die Behandlung ambulant erfolgen oder ist ein stationärer Aufenthalt ratsam? Ist für den Patienten eine Hilfe durch andere Institutionen im Moment sogar dringlicher (wie betreutes Wohnen oder akute Krisenhilfe)?

Bei bestimmten Störungen sind diagnostische Abklärungen durch psychodiagnostische Verfahren notwendig. Bei körperlichen Beschwerden muss eine medizinische Untersuchung erfolgen.

Der Patient muss schließlich entscheiden, ob er den Therapeuten für geeignet hält, ihm bei seinen Problemen zu helfen. Umgekehrt muss der Therapeut einschätzen, ob er für die Probleme des Patienten der richtige ist und ob der Patient wirklich bereit für eine Therapie ist. Gegebenenfalls kann eine Weiterverweisung nötig sein.

Es ist nichts Ungewöhnliches, wenn der Patient bei einem ersten Kontakt ein ungutes Gefühl verspürt. Er trifft schließlich gerade eine sehr bedeutsame Entscheidung und spricht vielleicht zum ersten Mal über belastende und sehr persönliche Themen, noch dazu mit einer außenstehenden Person. Viele Patienten fühlen sich aber bereits nach einem Erstkontakt deutlich erleichtert. Rolle von Patient und Therapeut

Rolle von Patient und Therapeut

Jeder Patient hat seine ganz eigenen Erwartungen an einen Therapeuten. In der Anfangsphase der Therapie klären sich diese Erwartungen und sollen in realistischer Weise aufgebaut werden. Zu bedenken gilt stets, dass sich die Beziehung von Patient und Therapeut von alltäglichen Kontakten unterscheidet. Die Beziehung zum Therapeuten ist eine Beziehung auf Zeit, mit eigenen Spielregeln, die für einen erfolgreichen Therapieverlauf notwendig sind. Die Patient-Therapeut-Beziehung ist problem- und zielorientiert, ein Mittel zum Zweck.

Der Patient steht mit seinen Problemen immer im Mittelpunkt. Letztendlich handelt es sich um eine Dienstleistungsbeziehung. Es gibt klare Grenzen für körperliche Nähe und Intimität. Dafür kann eine starke emotionale Beteiligung und psychische Nähe entstehen. Nicht erwarten darf der Patient eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Ein Therapeut kann Probleme nicht wegzaubern, Vater, Mutter oder Partner spielen oder die Probleme an Stelle des Patienten lösen.

Realistische Erwartungen, die ein Patient an seinen Therapeut stellen kann, sind:

  • Eine vertrauens- und respektvolle Atmosphäre, so dass der Patient ohne Hemmungen alles äußern und besprechen kann, was in ihm vorgeht oder was ihm geschehen ist.
  • Umfangreiche Informationen über alle Aspekte der Therapie, Mitsprache und Mitbeteiligung.
  • Eine professionelle Arbeitsbeziehung, in welcher der Therapeut eine möglichst neutrale Position einnimmt und durch Unterstützung und Herausforderung hilft, neue Wege zu lernen.
  • Der Therapeut hält sich an die „Spielregeln“ seines Berufsstands, wie beispielsweise an die Schweigepflicht.
  • Hilfe beim Lösen von Problemen und beim Veränderungsprozess.
  • Fachliche Kompetenz. Ein Verhaltenstherapeut sollte sich immer auf dem aktuellsten Stand der Verhaltenstherapie halten und die Qualität der Therapie durch Weiterbildung und Supervision der eigenen Tätigkeit sichern.

Nicht nur der Therapeut sollte sich an bestimmte Erwartungen halten. Auch für den Patienten gelten gewisse Spielregeln:

  • Der Patient ist in der Therapie offen und ehrlich und stellt Fragen, wenn ihm etwas unklar ist.
  • Er arbeitet aktiv daran mit, Dinge auszuprobieren, neue Erfahrungen zu sammeln, sich selbst zu beobachten, Termine einzuhalten etc.
  • Er ist bereit, bestimmte Lebenseinstellungen und –haltungen, Verhaltensmuster und Interessen zu hinterfragen und zu analysieren.
  • Er nimmt die Therapie ernst und reserviert die nötige Zeit dafür.
  • Der Therapeut ist kein Allheilmittel, der eigene Wille und die eigene Motivation zählen maßgeblich für den Erfolg der Therapie

Hauptphase

Wenn die Grundlagen für einen guten Behandlungsverlauf vorhanden sind, sich eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung zwischen Patient und Therapeut entwickelt hat und über die Schwerpunkte für die folgenden Therapiestunden entschieden wurde, kann mit konkreten Veränderungs- und Lernprozessen begonnen werden.

In der Hauptphase der Therapie klärt und analysiert der Patient mit dem Therapeuten den Ist-Zustand. Dies hilft beim Einstieg in die Problembearbeitung.

Wichtig ist es zudem, in allen Lebenssituationen auch die positiven Seiten zu entdecken, auch wenn etwas auf den ersten Blick nur negativ erscheint. Ressourcen wie Stärken, Kraftquellen und persönliche Einflussmöglichkeiten können in Sorgen untergegangen sein und warten nur darauf, freigelegt zu werden.

Manchmal muss auch ein regelrechtes Knäuel von Problemen entwirrt werden, damit wichtige von weniger wichtigen Problemen unterschieden werden und Ansatzpunkte gefunden werden können. Schließlich muss entschieden werden, welches Problem zuerst in den Griff bekommen werden soll.

Die Suche nach Alternativen und Zielen ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Therapie. Ein Problem ist erst in seinem vollen Umfang erkannt, wenn ein vom Ist- Zustand unterschiedener Soll-Zustand formuliert ist, also die Möglichkeit der Veränderung. Wenn der Ist-Zustand und der Soll-Zustand geklärt sind, gilt es, die Fertigkeiten festzustellen und auszubauen oder zu erlernen, die für einen Veränderungsprozess von Nöten sind. So können Lernziele formuliert werden, welche die Richtlinie für das weitere Vorgehen bilden. Für viele Lernziele gibt es bestimmte verhaltenstherapeutische Methoden, die der Therapeut der Person des Patienten und seiner speziellen Situation anpassen kann.

Die Diskrepanz zwischen dem unbefriedigenden Ist- und dem gewünschten Soll-Zustand soll reduziert oder gar ausgelöscht werden. Sind die Situation und der erstrebte Zustand definiert, kann sich der Patient in kleinen Schritten in Richtung der vereinbarten Ziele bewegen.

Eine weitere Problemlösung kann darin bestehen, beim Ist-Zustand zu bleiben und von Änderungszielen Abstand zu nehmen, da diese unrealistisch sind oder der Preis für die Veränderung zu hoch ist. Es wird hingegen gelernt, den Ist-Zustand zu akzeptieren und zufrieden zu sein mit dem, was man hat.

Manchmal ist die vernünftigste Variante die Bildung eines Kompromisses. Man entscheidet sich, Ist- und Soll-Zustand einander anzunähern.

Auf dem Weg, Fertigkeiten zur Bewältigung von Problemen zu lernen, gibt es niemanden, der nicht auf bereits vorhandene Stärken und Kraftquellen zurückgreifen kann. Oft werden diese Ressourcen nur vom Patienten selbst nicht als solche wahrgenommen. So muss er zunächst akzeptieren, dass auch bei ihm zumindest kleine Stärken vorhanden sind, er muss aktiv nach Fähigkeiten suchen und die entdeckten Talente in seinem Alltag häufiger umsetzen, kultivieren und ausbauen und zusätzlich neue Interessen entwickeln.

In einem weiteren Schritt werden schließlich die vereinbarten Lösungen praktisch umgesetzt. Meist bewegt sich der Patient durch den Therapeuten geleitet in kleinen Schritten auf ein großes Ziel zu. Bei einem Patienten mit Angststörungen, die so weit gehen, dass er das Haus nur noch ungern verlässt, kann so ein kleiner Schritt schon die Bewältigung eines Einkaufs im Supermarkt um die Ecke sein. Der Therapeut sorgt dafür, dass die einzelnen Schritte eine Herausforderung, aber keine Überforderung darstellen. Der Verhaltenstherapeut hat viele verschiedene Methoden in seinem Repertoire, mit denen er zielgerichtet dem Patienten beim Erreichen des großen Ziels helfen kann.

Die Ergebnisse der angewandten Methoden bestimmen, wie die Therapie weiter verläuft. Der Patient ist an der Beurteilung der Fortschritte maßgeblich mitbeteiligt. Sind Erfolge zu verzeichnen, ermutigen diese den Patienten, seinen Weg weiter zu verfolgen. Die Beurteilung von Fortschritten wird ersichtlich, wenn man sich den Stand der Dinge zu Beginn der Therapie ins Gedächtnis ruft und die angestrebten Lernziele betrachtet.

Eine Therapie verläuft nicht immer geradlinig. Es kann Startschwierigkeiten geben oder man kommt im späteren Verlauf der Therapie an einen Punkt, bei dem man eine Weile auf der Stelle tritt. Manche Therapieverläufe sind ein ständiges Auf und Ab. Doch auch wenn alles gut läuft, darf man eine Veränderung erst als solche betrachten, wenn sie stabil bleibt und zu einer guten Gewohnheit geworden ist.

Endphase der Therapie

In der Endphase der Therapie steht die Vorbereitung auf einen Alltag ohne therapeutische Hilfe im Mittelpunkt. Nach dem Erreichen von Fortschritten wird der Kontakt zwischen Therapeut und Patient allmählich reduziert. Erreichte Verbesserungen werden stabilisiert, es wird Bilanz gezogen und die wichtigsten Erfolge und Methoden für diese zusammengefasst.

In den letzten Sitzungen ist es wichtig, die Zeit nach Beendigung der Therapie in den Fokus zu nehmen. Jetzt sollten die erlernten Fähigkeiten, die zum Erfolg geführt haben, noch einmal zusammengefasst und vor Augen geführt werden.

Zudem bereitet der Therapeut den Patienten gut auf die Zeit nach der Therapie vor und bespricht schwierige Situationen, die in nächster Zeit gegebenenfalls auf den Patienten zukommen. Hier werden auch Vorsätze und Lernaufgaben noch einmal in Erinnerung gerufen, die der Patient alleine nach Therapieende umsetzen möchte.

Ein Therapieende muss dabei nicht endgültig sein.Der Patient kann auch zunächst völlig selbständig leben und wegen anderer, in der Therapie noch nicht behandelter, Probleme zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Zudem können andere Hilfsmöglichkeiten zur Bewerkstelligung des Alltags und zur Unterstützung aufgesucht werden (Selbsthilfegruppen, Nachsorgeeinrichtungen, Kirchengemeinden, soziale Einrichtungen etc.).



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