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Methoden der Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie zielt auf eine Veränderung des Verhaltenspektrums ab. Die Methoden der Verhaltenstherapie reichen von operanten Verfahren über Selbstkontrollverfahren, therapeutische Rollenspiele, psychophysiologische Methoden und Konfrontationsverfahren bis hin zu kognitiven Methoden und sozialem Kompetenztraining.

Welche Methoden zur Anwendung kommen und für ein Problem am besten geeignet sind, entscheidet der Therapeut nicht allein. Letztendlich entscheidet der Patient, ob ihm ein bestimmtes Verfahren weiter hilft oder ob er sich dabei unwohl fühlt. Manchmal müssen verschiedene Wege ausprobiert werden. Häufig kommt es zu einer Kombination mehrerer verhaltenstherapeutischer Verfahren.

Wichtig als Grundlage für alle Methoden sind die vertrauensvolle Beziehung zwischen Patient und Therapeut und die aktive Mitarbeit des Patienten, also demnach auch der Wille, der eine Veränderung des eigenen Verhaltens auslösen kann.

Operante Verfahren

Therapietechniken, die lerntheoretische Prinzipien gezielt nutzen, nennt man operante Verfahren. Operante Verfahren spielen auf dem Weg zur Verhaltensänderung eine große Rolle und können zum Aufbau und zum Abbau von Verhalten angewendet werden. Die operanten Methoden arbeiten mit positiver und negativer Verstärkung. Sie spielen eine wesentliche Rolle bei der Interaktion zwischen Patient und Therapeut. So beeinflussen sie jeden therapeutischen Prozess.

 

Beim Verhaltensaufbau kann der Schwerpunkt auf Erwerb und Ausformung eines kaum oder gar nicht vorhandenen Verhaltens liegen. Dies kann zum Beispiel Kontaktaufnahme bei Menschen, die ausgesprochen unsicher sind, sein oder der Spracherwerb bei einem Kind mit Autismus. Bei der Ausformung von Verhalten nähert sich der Patient schrittweise einem Zielverhalten. Zunächst werden Anfangsschritte des gewünschten Verhaltens bekräftigt und später Verhaltenselemente durch positive Verstärkung aufgebaut, die bisher nicht oder unzureichend vorhanden waren. Ein weiterer Ansatz zum Verhaltensaufbau ist die Verknüpfung einzelner, bereits vorhandener Verhaltensweisen zu einem schlüssigen Handlungsablauf.

Bei operanten Methoden zum Abbau von unerwünschtem Verhalten ist es wichtig, immer auch ein gewünschtes Alternativverhalten zu finden und aufzubauen. Eine operante Methode zum Abbau unerwünschten Verhaltens ist die „Löschung“. Hierfür werden alle Verstärker, die ein Verhalten aufrechterhalten haben, entzogen. Unangemessene Verhaltensweisen werden bewusst ignoriert.

Selbstkontrollmethoden

Ein Ziel der Verhaltenstherapie ist das Selbstmanagement und damit auch die Selbstkontrolle. Methoden zur Selbstkontrolle unterstützen den Patienten bei der eigenen Kontrollübernahme im Verlauf einer Therapie. Auch physiologischen Vorgängen liegen Selbstregulationsprozesse zugrunde. Für die Aufrechterhaltung oder Veränderung eines Verhaltensrepertoires werden bewusst Verstärker im Sinne einer Selbstverstärkung eingesetzt.

Nach einer Phase der Vorbereitung und Informationsleistung sollen Selbstkontrollmethoden vom Patienten selbstständig eingesetzt werden. Dies ermöglicht eine sehr geringe Abhängigkeit vom Therapeuten und ist zudem zeitsparend und effektiv. Vorzugsweise bei Zwangserkrankungen, Suchtverhalten, Impulskontrollstörungen, der Behandlung von Schmerzwahrnehmung und depressivem Verhalten werden

Verfahren der Selbstkontrolle eingesetzt. Methoden der Selbstkontrolle sind:

  • Selbstbeobachtung: Sie bildet die Basis, denn anhand der Beobachtungen wird eine sogenannte Baseline des Verhaltens als Grundlage für spätere Erfolgskontrollen erstellt.
  • Selbstverstärkung und Selbstbestrafung: der Patient muss selbst Verstärker finden und anwenden, durch welche unerwünschtes Verhalten abgebaut und erwünschtes Verhalten aufgebaut wird.
  • Stimuluskontrolle: Bedingungen, die ein unerwünschtes Verhalten auslösen, werden vom Patienten erkannt und entfernt oder an einem alternativen Umgang mit diesen Bedingungen gearbeitet. Alkoholkonsum beispielsweise darf nicht mehr mit gemütlicher Geselligkeit belohnt werden.
  • Gedankenstopp: Stellen sich unerwünschte Gedanken ein, unterbricht ein Stoppsignal, das zuvor mit dem Therapeuten antrainiert wurde, den Gedankenfluss. Im Anschluss daran soll zu positiven Alternativgedanken übergegangen werden.

Therapeutisches Rollenspiel

Die Methode des Rollenspiels hat eine weitreichende Tradition in der Verhaltenstherapie. Durch Hilfe des Rollenspiels wird eine Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungs- und Konfliktfähigkeit für den Patienten angestrebt. Rollenspiele dienen der Diagnostik, erhöhen die Beteiligung in der therapeutischen Arbeit, dienen der Einübung neuer Verhaltensmuster, können Realitätseinschätzungen des Patienten sichtbar machen und helfen bei der Einübung neuer Selbstschemata.

Rollenspiele sind lebendig und gehen mit einer hohen emotionalen Beteiligung des Patienten einher. Der Therapeut muss den Patienten dabei unterstützen, Grenzen zu ziehen und auf die eigene Belastbarkeit zu achten und emotionale Überforderung verhindern.

Inhaltlich können Rollenspiele verschiedenen Bereichen entnommen sein (zum Beispiel Alltag, Berufswelt, Beziehungen) und sich zum Beispiel mit Themen wie Abgrenzung, Wahrnehmung des Gegenübers oder dem Äußern von eigenen Wünschen beschäftigen.

Rollenspiele dienen häufig als Vorbereitung auf reale Erfahrungen. Bei Rollenspielen in einer Therapiegruppe können Situationen einzelner Teilnehmer für eine allgemeine Aufgabenstellung gesammelt werden – zum Beispiel Grenzen setzen am Arbeitsplatz. In der Einzeltherapie wird der Therapeut von Situationen ausgehen, mit denen der Patient Probleme hat, und bei diesen die wichtigen Punkte herausarbeiten und schließlich eine Reihe von Übungssituationen entwickeln.

Die Rückmeldungen, die der Therapeut und der Patient im Anschluss an das Rollenspiel austauschen, sollten sich auf die von Therapeut und Patient festgelegten Ziele beziehen. Video- oder Tonbandaufzeichnungen des Rollenspiels können für die Rückmeldung hilfreich sein.

Konfrontationsverfahren

In der Verhaltenstherapie umfasst der Begriff Konfrontationsverfahren eine sehr heterogene Gruppe von therapeutischen Behandlungsmethoden. Die Gemeinsamkeit ist die Konfrontation (auch Exposition genannt) des Patienten mit einem aversiven – angstbesetzten - Reiz. Diesem aversiven Reiz folgt bei den Patienten ein schwieriges Verhalten. Meist handelt es sich hierbei um ein Flucht- oder Vermeidungsverhalten.

Das gemeinsame Ziel aller Konfrontationsverfahren ist die Verhinderung des Flucht- oder Vermeidungsverhaltens. Auf diese Weise soll der Patient die Erfahrung sammeln, dass die eigentlich erwarteten unangenehmen Folgen ausbleiben. Es kann zu einer Neubewertung und veränderten Wahrnehmung kommen.

Einen Hauptanwendungsbereich finden Konfrontationsverfahren in der Behandlung von Angststörungen. Auch bei Zwangsstörungen, Bulimie, Abhängigkeitsstörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen kommen Konfrontationsverfahren zum Einsatz.

Psychophysiologische Methoden

Ein Verhaltenstherapeut erfasst für gewöhnlich ein zu beobachtendes Verhalten auf unterschiedlichen Ebenen:

  • durch den (mündlichen) Bericht des Patienten
  • durch Beobachtung des motorischen Verhaltens des Patienten
  • durch die dazugehörigen physiologischen Komponenten

Bei einem Patienten mit Panikattacken zum Beispiel ist zum einen festzuhalten, dass er nach eigenem Bericht angibt, in welchen Situationen die Attacken auftreten, dass er in bestimmten Situationen fluchtartig dem Ausgang zustrebt (Motorik) und zudem kann beispielsweise die Herz- oder Atemfrequenz in der bestimmten Situation erfasst werden (physische Reaktion).

Die am meisten etablierte und am besten untersuchte psychophysiologische Methode ist das Biofeedback-Training. Hierbei werden physiologische Vorgänge mithilfe physiologischer Messungen dem Bewusstsein zugänglich gemacht, so dass in der Folge bewusst auf diese eingewirkt werden kann.

Eine Trainingsphase des Biofeedbacks beginnt mit der Wahrnehmung des Biosignals. Hierfür werden Beschwerden protokolliert und eine „Baseline“ erstellt, indem physische Reaktionen, beispielsweise die Herzfrequenz, im Ruhezustand gemessen werden. Daraufhin erfolgt das Erlernen der Kontrolle über dieses Signal.

Das Erlernen der Kontrolle kann durch bewusst eingesetzte trainierte Entspannungstechniken, wie zum Beispiel autogenem Training, erfolgen. Schließlich kann die in der Therapiesitzung trainierte Kontrolle über die physischen Reaktionen auf den Alltag übertragen werden. Übt der Patient die Entspannungstechniken gründlich und beherrscht diese sehr gut, kann es letztendlich so weit kommen, dass in einer Stresssituation allein die Vorstellung der Technik ausreicht, um die physiologische Reaktion zu kontrollieren.

Kognitive Verfahren

Die Kognitive Verhaltenstherapie entwickelte sich in den 1960er Jahren aus dem Kognitivismus, einer Gegenbewegung zum Behaviorismus.

Unter Kognitionen werden in der Verhaltenstherapie der Vorgang des Denkens und das Produkt dieses Denkprozesses erfasst. So sind Wahrnehmungen, unser Gedächtnis, Glauben, Wertvorstellungen, die Sprache, Problemlösestrategien und Urteile unter diesem Begriff zusammengefasst. Kognitionen sind wichtige Mechanismen des emotionalen Erlebens. Emotionen stellen das Ergebnis eines Bewertungsprozesses in zwei Stufen dar. Zunächst wird eine Situation eingeschätzt und bewertet, schließlich werden Handlungsstrategien bewertet und selektiert.

Die kognitive Therapie ist zeitlich begrenzt, strukturiert und problemzentriert. Es wird ein Plan für jede Sitzung erstellt, der alle Punkte aufzeichnet, die in der Sitzung behandelt werden sollen.

Bearbeitet werden somit bevorzugt konkrete Alltagsprobleme. Zwischen den Sitzungen muss der Patient „Hausaufgaben“ erledigen, in denen in der Therapie Erlerntes im Alltag zum Einsatz kommt. In den Sitzungen interpretiert und analysiert der Therapeut die Kognitionen des Patienten und bringt ihn über gezielte Fragestellungen dazu, die automatischen Gedanken und Einstellungen zu verbalisieren, nachzuvollziehen und zu prüfen. Man nennt dies auch die „Sokratische Methode“. Sie soll den Patienten dazu bringen, selbst festzustellen, dass seine Denkweise nur eine Möglichkeit von vielen darstellt und es alternative Interpretationen zu ein und derselben Situation geben kann, die gegebenenfalls eher der Realität entsprechen. Durch das Bewusstmachen anderer Handlungsmöglichkeiten und Denkweisen sollen Änderungsprozesse in Gang gesetzt werden

Soziales Kompetenztraining

Die soziale Kompetenz ist ein Oberbegriff für Fähigkeiten wie Selbstbehauptung, Selbstsicherheit und soziale Fertigkeiten. Somit trägt die soziale Kompetenz zur Lebensqualität eines jeden Menschen bei. Ein sozial inkompetentes Verhalten zeigt sich bei Menschen, die in bestimmten sozialen Situationen nicht mit der angemessenen Verhaltensweise reagieren. Es handelt sich hierbei zum Beispiel um besonders schüchterne Menschen, die ein Vermeidungsverhalten in Bezug auf bestimmte soziale Situationen haben.

Trainings zur Verbesserung sozialer Kompetenzen und zwischenmenschlicher Beziehungen wurden bereits in den Anfängen der Verhaltenstherapie entwickelt. Es handelt sich somit um standardisierte Verfahren, die gut überprüft und effektiv sind.

Ein Grundgedanke von Ansätzen der Kompetenztheorien ist, dass Menschen in unterschiedlichem Maß über Fertigkeiten verfügen, um zwischen sozialer Anpassung und individuellen Bedürfnissen Kompromisse zu finden und durchzusetzen. Ein Training der sozialen Kompetenz kann Tendenzen zur Selbstverwirklichung oder Tendenzen zur Anpassung jeweils stärken oder schwächen, um eine Balance für den Behandelten zu finden.

Beim Training werden kognitives, emotionales und tatsächliches Handeln berücksichtigt. Es wird zudem zwischen selbstsicherem, aggressivem und unsicherem Verhalten unterschieden. Das Ziel ist ein Verhalten, das der sozialen Situation angemessen und verantwortlich ist.



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