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Wie die Verhaltenstherapie entstand

Die Verhaltenstherapie ist ein relativ junges therapeutisches Verfahren. Sie ist vor allem für Menschen geeignet, die aktuelle Schwierigkeiten lösen möchten. Der Patient sollte die Therapie als sein eigenes Veränderungsprojekt sehen und bereit sein, aktiv mitzuarbeiten.

Die Anfänge der Verhaltenstherapie

In den 1950er Jahren machte die Psychologie als wissenschaftliche Theorie und in der Praxis rasante Fortschritte. Es wurden viele neue Konzepte und therapeutische Methoden entwickelt, die in ihrer Anwendung zielgerichteter und kürzer waren als der damals noch vorherrschende Ansatz der Psychoanalyse. Auch der Begriff der Verhaltenstherapie entstand in dieser Zeit. Theoretiker und Praktiker in den USA, in England und in Südafrika begannen – unabhängig voneinander – Erkenntnisse psychologischer Verhaltens- und Lerntheorien für die Deutung und Behandlung psychischer Probleme zu nutzen. Die Verhaltenstherapie baute von Beginn an auf Erkenntnissen und Regeln der wissenschaftlichen Psychologie auf. Es geht um beobachtbares Verhalten, überprüfbare Theorien, Maßnahmen mit nachgewiesener Wirkung und darum, mit möglichst geringen Mitteln einen größtmöglichen Effekt zu erzielen. Dies führte in der Fachwelt anfangs zu heftigen Diskussionen.

Inzwischen gibt es nur noch selten polemische Debatten über die unterschiedlichen Richtungen der Psychotherapie. Obwohl die Vertreter der verschiedenen Therapieformen inzwischen gegenseitiges Interesse zeigen und voneinander lernen, wird die Verhaltenstherapie allerdings immer noch häufig als Gegenpart zu psychoanalytisch-tiefenpsychologischen Therapieformen gesehen.

Von den psychoanalytischen Therapieformen unterscheidet sich die Verhaltenstherapie vor allem dadurch, dass Symptome psychischer Störungen weniger als Ausdruck eines seelischen Konflikts oder Folge von Verdrängung gesehen werden, sondern vielmehr als ein ungünstiges Verhalten, das erworben und erlernt wurde.

Eine Wurzel der Verhaltenstherapie ist der Behaviorismus. Der russische Neurologe Pawlow beobachtete zu Beginn des 19. Jahrhunderts, dass angeborene Verhaltensweisen nicht unbedingt durch die dafür vorgesehenen Situationen ausgelöst werden müssen. Der Pawlowsche Hund ist hierfür das klassische Beispiel. Pawlow ließ jedes Mal, wenn er einem Hund Essen vorsetzte, gleichzeitig eine Glocke erklingen. Nach einiger Zeit konnte er beobachten, dass dem Hund der Speichel im Maul zusammenlief, wenn er nur den Glockenton hörte und der ursprüngliche Reiz für diese Reaktion – das Futter – ausblieb. Der ursprüngliche Reiz wurde mit einem eigentlich neutralen Reiz verknüpft. Man nennt dies klassische Konditionierung. So lässt sich erklären, warum eine angeborene Reaktion wie Angst auch in eigentlich ungefährlichen Situationen, etwa beim Fahrstuhlfahren, auftreten kann.

B.F. Skinner entwickelte in den 1950er Jahren das Konzept der operanten Konditionierung, ein Konzept des Lernens am Erfolg. Ein Mensch lernt durch die Erfahrung von Erfolg und Misserfolg. Positive Konsequenzen und Verstärkungen erhöhen die Häufigkeit einer Reaktion. Negative Konsequenzen oder das Ausbleiben einer Bestätigung vermindern das Auftreten eines Verhaltens. Dies ist noch heute eine wichtige Grundlage der Verhaltenstherapie.

Entwicklung der Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie stand zunächst in der Tradition des Behaviorismus und beschränkte sich auf äußerlich sichtbares Verhalten. Doch schon in den 1960er Jahren wurden neben biologisch-physischen Abläufen des Organismus und äußerem Verhalten auch Gedanken, Gefühle und Einstellungen – also alle Ebenen des menschlichen Erlebens und Verhaltens – berücksichtigt.

Später wurde die Einsicht, dass die Techniken der Verhaltenstherapie in ein schlüssiges Gesamtkonzept und ein positives Verhältnis zwischen Therapeut und Patient eingebettet sein müssen, in entsprechende Richtlinien zur Therapiegestaltung integriert.

In den 1990er Jahren setzte sich die Variante der Verhaltenstherapie als Anleitung zum Selbstmanagement durch. Diese Form der Verhaltenstherapie folgt der Vorstellung eines nach Selbstständigkeit und Selbstverantwortung strebenden Menschen. Der Therapeut übernimmt hierbei die Rolle des professionellen Helfers. Er begleitet und unterstützt den Patienten auf seinem Weg zur Problemlösung.

Verhaltenstherapie heute Auch heute noch bildet der Gedanke, dass ein Großteil des menschlichen Verhaltens erlernt ist, die Basis der Verhaltenstherapie. Demnach kann Verhalten auch verlernt oder umgelernt werden. Dies gilt sowohl für als problematisch empfundenes als auch für „normales“ Verhalten, für Gedanken und Gefühle, ebenso wie für physische Reaktionen. Fehlende Fähigkeiten können erlernt und Verhaltensweisen korrigiert werden, um in problematischen Situationen besser zurecht zu kommen. Sollte eine Änderung nicht möglich sein, kann immer noch der bessere Umgang mit einer Tatsache erlernt werden. Lernen kann man in jedem Lebensalter. Die Verhaltenstherapie will eine optimistische Lebenshaltung vermitteln, die dieses Lernen stützt. Viele Patienten sind überrascht, welche positiven Qualitäten sie bei sich entdecken, sobald sie im Erkennen, Nutzen und Fördern dieser Qualitäten unterstützt werden. Das Erlangen von Selbststeuerung steht heute bei der Verhaltenstherapie an höchster Stelle. Der Patient soll so bald wie möglich von seinem Therapeuten unabhängig werden und bekommt Hilfe zur Lebensgestaltung und für seinen Weg hin zu Autonomie und Selbstverantwortung.

Das Ziel einer Verhaltenstherapie ist nicht die vollständige Heilung des Patienten, sondern vielmehr das Erreichen eines subjektiven Wohlbefindens, das einerseits den Patienten zufrieden stellt und andererseits von seinem sozialen Umfeld akzeptiert werden kann.

Ein wichtiger Punkt bei der Verhaltenstherapie ist die Rolle des Therapeuten. Eine gute Arbeitsbeziehung stellt eine wichtige Basis für eine Therapie dar. Der Therapeut bietet besonders zu Beginn der Therapie viel Verständnis und Unterstützung und übergibt im Laufe der Behandlung immer mehr Verantwortung und Initiative an den Patienten. Der Therapeut ist ein Assistent, Begleiter und Vermittler. Er gibt Informationen und Anregungen, ohne dem Patienten die Probleme abzunehmen oder sie an seiner Stelle zu lösen.

Anerkennung als Richtlinienverfahren

Seit den 1980er Jahren ist die Verhaltenstherapie in Deutschland ein anerkanntes Richtlinienverfahren, das heißt sie wird von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt und als Behandlungsmethode finanziert. Mit Hilfe verhaltenstherapeutischer Maßnahmen werden besonders Ängste, Zwänge, Depressionen, Schlafstörungen, soziale Unsicherheiten, Süchte, (psychosomatische) Schmerzen, Essstörungen, Probleme mit Partnerschaft und Sexualität, Stress und Verhaltensstörungen behandelt. Auch bei der Erziehung und für Elterntrainings wird die Verhaltenstherapie genutzt und kann zudem die Arbeit mit schizophrenen Personen und deren Angehörigen unterstützen.



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