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Fallbeispiele

Wie kann eine Verhaltenstherapie am Beispiel aussehen? Eine Verhaltenstherapie kann bei einer Vielzahl von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen hilfreich sein. Der Patient muss bereit sein, sich mit sich selbst und seinen Problemen intensiv zu beschäftigen, Verhaltensmuster neu zu lernen oder umzulernen.

Die folgenden Fallbeispiele schildern beispielhaft, wie mit Hilfe einer Verhaltenstherapie der Weg aus einer problematischen Situation heraus gelingen kann.

Fallbeispiel Zwangshandlung

Marlene ist 24 und Hausfrau. Da Marlene sehr schnell nach ihrem Schulabschluss heiratete und bald ihr Sohn zur Welt kam, hat sie nie eine Ausbildung gemacht. Ihr Mann arbeitet viel und sie ist oft alleine zu Hause mit dem kleinen Sohn. Marlene ist eine sehr fürsorgliche, zum Teil überbesorgte Mutter. Ihr Sohn war besonders im ersten Lebensjahr häufig sehr krank und Marlene hat sich in dieser Zeit angewöhnt, oft die Hände zu waschen. Das gab ihr das Gefühl, das Kind vor Krankheiten schützen zu können. Auch sonst achtet Marlene sehr auf Sauberkeit. Inzwischen ist ihr Sohn vier Jahre alt und kerngesund. Marlene legte die Angewohnheit, sich oft die Hände zu waschen, jedoch nicht ab. Im Gegenteil, inzwischen verspürt sie alle paar Minuten das Bedürfnis, sich gründlich die Hände zu reinigen.

Ihren Mann stört das schon lange. Zunächst machte er sich darüber lustig, dass man nicht einmal mehr in Ruhe einen Film schauen kann, ohne dass seine Frau immer wieder ins Bad läuft, nachdem sie etwas gegessen oder angefasst hat. Nach und nach macht sich Marlenes Mann jedoch Sorgen wegen des Verhaltens seiner Frau und zeigt sich immer häufiger genervt. Auch Marlene fühlt sich in ihrem Alltag beeinträchtigt, doch sie hat das Händewaschen nicht mehr unter Kontrolle.

Sie entscheidet sich für eine Therapie und lässt sich von ihrem Hausarzt zu einem Verhaltenstherapeuten überweisen.

Der Therapeut fordert Marlene zunächst auf, ein genaues Protokoll über die auslösenden Situationen für ihr zwanghaftes Händewaschen zu führen. Diesen Situationen soll sie sich ganz bewusst aussetzen, zum Beispiel mit ihrem Sohn ausgiebig auf dem Spielplatz im Sand buddeln. Damit Marlene in den auslösenden Situationen nicht ihrer Zwangshandlung nachgibt und beispielsweise vom Spielplatz mit ihrem Sohn flüchtet, um sich zu Hause die Hände zu waschen, trainiert der Therapeut mit ihr zusätzlich den Gedankenstopp. Taucht bei Marlene der Gedanke an das Händewaschen auf, so soll sie zunächst laut und deutlich „Stopp“ sagen, um den Gedanken zu beenden. Im Verlauf der Therapie reicht irgendwann ein gedachtes „Stopp“, um innezuhalten und sich die objektive Unnötigkeit der Handlung bewusst zu machen. Der Therapeut empfiehlt Marlene zudem Alternativhandlungen. Wenn der Zwang stark wird, soll sie für Ablenkung sorgen und aus ihrem Schneckenhaus kommen, sich mehr mit Freundinnen treffen und Unternehmungen machen.

Zusätzlich zu den praktischen Hilfestellungen und Übungen redet Marlene mit ihrem Therapeuten über ihr Leben und ihre Familie, die Sorge um ihren Sohn und das Gefühl, allein für diese verantwortlich zu sein, weil ihr Mann so häufig abwesend ist. Gleichzeitig fühlt sich Marlene von ihrem Mann als dem Brötchen-Verdiener der Familie sehr abhängig. Durch gezielte Fragestelllungen des Therapeuten erarbeitet Marlene alternative Möglichkeiten für die Gestaltung ihres Lebens und ist ermutigt, etwas gegen ihre gefühlte Abhängigkeit zu tun und mit ihrem Mann über diese zu reden.

Marlene besinnt sich durch ihren Therapeuten wieder auf Dinge, die ihr früher Freude bereitet haben. Sie war in ihrer Jugend immer sozial engagiert, doch als junge Mutter blieb ihr dazu nur noch wenig Zeit. Marlene arbeitet mit ihrem Therapeuten und in Gesprächen mit ihrem Mann Schritte aus, die sie wieder zu einem unabhängigen Leben führen sollen. Ein erster Schritt soll sein, den Sohn in einem Kindergarten betreuen zu lassen. Bisher scheute sich Marlene davor, die Verantwortung für ihren Sohn abzugeben. Als nächsten Schritt möchte Marlene eine Ausbildung zur Alltagsbegleiterin machen. Ein Beruf, der ihr Freude bereiten würde und mit dessen Hilfe sie sich nicht mehr so abhängig fühlen würde.

Inzwischen geht Marlene nur noch einmal im Monat zu ihrem Therapeuten. Sie freut sich auf die Sitzungen, weil sie stolz auf ihre Fortschritte ist. Ihre Zwangshandlung hat sich gelegt. Ihr Sohn hat einen Platz in einem städtischen Kindergarten und in zwei Monaten wird Marlene mit ihrer Ausbildung beginnen.

Fallbeispiel rauchfrei durch Verhaltenstherapie

Ralf ist 45 und führt ein mittelständisches Unternehmen. Er ist Familienvater von drei Kindern. Er raucht seit seinem 14. Lebensjahr. Ralf war nie übermäßig sportlich aktiv, doch an den Wochenenden holt er gerne das Fahrrad aus dem Keller oder geht eine Runde joggen. Seit einiger Zeit ist er bei diesen Aktivitäten sehr kurzatmig. Zudem schläft ihm auffallend häufig das rechte Bein ein. Ralf hat ein ungutes Gefühl. Gedanklich zieht er schon eine Verbindung zwischen seinen gesundheitlichen Problemen und seinem starken Nikotinkonsum. Er sucht seinen Hausarzt auf. Dieser untersucht ihn gründlich und bestätigt Ralfs Vermutung, dass seine Probleme mit dem Rauchen in Verbindung stehen. Er legt ihm nahe, so schnell wie möglich auf den Zigarettenkonsum zu verzichten.

Ralf hat im Laufe seines Lebens schon etliche Versuche gestartet, auf das Rauchen zu verzichten, wurde jedoch immer wieder rückfällig. Ralf ist inzwischen ernsthaft um seine Gesundheit besorgt, doch fürchtet er, es wieder nicht langfristig zu schaffen, zumal er beruflich stets viel Stress hat und ihm allein der Gedanke an den Zigarettenentzug noch mehr Stress bereitet.

Ralf redet über seine Bedenken mit seinem Hausarzt. Dieser empfiehlt ihm eine Verhaltenstherapie. Ralf hält eine Therapie zunächst für eine zu drastische Maßnahme. Doch sein Arzt erklärt ihm, dass die Verhaltenstherapie eine der erfolgreichsten Maßnahmen zur Entwöhnung von Rauchern ist und letztendlich nichts anderes als Hilfe zur Selbsthilfe. Ohne die Hilfe von Medikamenten soll das Nichtrauchen erreicht werden, indem Gewohnheiten hinterfragt und überwunden werden. Ralf lässt sich von seinem Hausarzt zwei Verhaltenstherapeuten empfehlen, die viel Erfahrung mit Suchtpatienten haben. Zunächst empfindet er es als seltsam, Therapeuten aufzusuchen, die auch Patienten mit Alkohol- und anderen Drogenproblemen behandeln. Doch bereits die ersten Probesitzungen nehmen ihm seine Bedenken. Zu beiden Therapeuten fasst er schnell Vertrauen und lässt sich so gleich auf zwei Wartelisten setzen. Nach einigen Monaten wird bei einem der Therapeuten ein Behandlungsplatz frei und Ralf beginnt zuversichtlich seine Therapie.

Der Therapeut arbeitet mit Ralf gemeinsam Zusammenhänge zwischen Situationen und dem Griff zur Zigarette heraus. Die Frage des „Warum“ ist zentral. Warum verspürt Ralf das Bedürfnis zu rauchen, wenn er gestresst ist. Auch erklärt der Therapeut Ralf ganz konkret und detailliert die körperlichen Vorgänge beim Rauchprozess und wie aus diesen die Sucht resultiert. Natürlich wusste Ralf vorher schon, dass Rauchen abhängig macht und ungesund ist, doch die Details waren ihm nicht klar und schärfen sein Bewusstsein dafür, was er seinem Körper all die Jahre zugemutet hat.

Ralf und der Therapeut entwickeln Strategien, wie Ralf seinen Alltag ohne Zigaretten meistern kann. Ralf begreift allmählich, dass Rauchen ihm nicht den Stress nimmt, sondern einen zusätzlichen Stressfaktor darstellt. Er nimmt sich vor, das Problem seiner beruflichen Belastung an der Wurzel zu packen und ansonsten Entspannung nicht in schnell eingeschobenen Zigarettenpausen, sondern zukünftig in abendlichen Ritualen, wie einem Saunagang, zu finden. Zudem hat Ralf die Idee, als zusätzliche Motivation das Geld, das er ansonsten für Zigaretten ausgibt, ein Jahr lang zurück zu legen und dann seinen Kindern etwas Schönes davon zu kaufen. Der Therapeut rät Ralf, sich selbst das Rauchen so schwer wie möglich zu machen, indem er zum Beispiel kein Feuerzeug mehr bei sich trägt und so stets jemanden um Feuer bitten müsste. Er soll die Zigaretten nicht mehr langsam inhalieren, sondern in kurzen schnell hintereinander folgenden Zügen rauchen, um ein Genussgefühl zu vermeiden.

Nach den ersten Sitzungen nimmt Ralf eine Gruppentherapie bei seinem Therapeuten wahr. Der gemeinsame Wunsch, die Nikotinsucht zu überwinden und Erfolge und Nichterfolge in der Gruppe zu berichten, stärkt Ralfs Durchhaltewillen.

Inzwischen vermisst Ralf nur noch selten seine Zigaretten. Einmal im Monat geht er noch zur Gruppentherapiesitzung, weil diese ihm einen gewissen Rückhalt gibt. Auch gesundheitlich hat sich der Nikotinverzicht schon positiv bemerkbar gemacht. An den Wochenenden kann Ralf bei gemeinsamen Radtouren wieder mit dem Rest der Familie mithalten.



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