Medikamentöse Therapien / Psychopharmaka

Bei psychischen Erkrankungen kann eine Therapie mit Medikamenten insbesondere in Kombination mit anderen therapeutischen Maßnahmen sinnvoll sein. Wir beantworten für Sie die wichtigsten Fragen zum Thema Psychopharmaka

Was sind Psychopharmaka?
Als Psychopharmaka bezeichnet man Medikamente, die einen Einfluss auf die Prozessregulierung im zentralen Nervensystem haben und sich somit auf psychische Funktionen auswirken. Diese Medikamente werden zur Behandlung von verschiedenen psychischen Erkrankungen eingesetzt und sind ein wesentlicher Bestandteil der modernen psychiatrischen Therapie. Psychopharmaka lassen sich je nach spezifischer Wirkungsweise und den jeweiligen Einsatzgebieten bei den verschiedenen psychischen Erkrankungen in unterschiedliche Kategorien einteilen (Neuroleptika, Antidepressiva, Phasenprophylaktika, Schlafmittel, Beruhigungsmittel, Antidementiva, etc.).
Wie wirken Psychopharmaka?
Psychopharmaka beeinflussen unseren Stoffwechsel im Gehirn. Dafür sind biochemische Botenstoffe zuständig, die dafür sorgen, dass an chemischen Synapsen Informationen von einer Nervenzelle zur anderen weitergeleitet werden. Die so genannten Neurotransmitter werden im synaptischen Spalt zwischen zwei Nervenzellen ausgeschüttet, wenn eine Information in der Form von elektrischen Impulsen weitergegeben wird. Bei vielen psychischen Erkrankungen ist der Botenstoffhaushalt aus dem Gleichgewicht geraten. Dieses Ungleichgewicht versuchen Psychopharmaka zu beheben, indem der Haushalt der Neurotransmitter wieder normalisiert wird. Dies geschieht beispielsweise, indem die Menge an Neurotransmittern im synaptischen Spalt erhöht oder verringert wird.
Welche Risiken haben Psychopharmaka?
Entgegen der oft beschriebenen Befürchtungen oder der Angst mit den Medikamenten bloß „ruhiggestellt“ zu werden, machen die Mehrheit der eingesetzten Psychopharmaka weder abhängig noch führen sie zu einer Wesensveränderung der Patienten. Ganz im Gegenteil: Psychopharmaka unterstützen die gesunden Persönlichkeitsanteile des Patienten und können störungsbedingte Veränderungen des Denkens, Erlebens und Verhaltens nachhaltig positiv beeinflussen und verbessern. Lediglich bestimmte Psychopharmaka, wie Beruhigungsmittel, bergen auf Dauer ein Abhängigkeitsrisiko, weshalb eine Einnahme dieser Medikamente nicht länger als vier Wochen erfolgen sollte. Am häufigsten werden hier Benzodiazepine verschrieben. Neben dem Risiko einer Abhängigkeit kann es bei der Einnahme zu einer sogenannten „Toleranzentwicklung“ kommen. Das bedeutet, die Wirkung der Substanz wird immer geringer und es muss mehr eingenommen werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Dennoch sind Benzodiazepine in der Medizin nicht wegzudenken und kommen insbesondere bei der Entzugsbehandlung von Alkohol und bei psychischen Krisen wie bei Suizidalität zum Einsatz. In der Mehrheit der Fälle ist es sinnvoll psychotherapeutische und medikamentöse Behandlungsmaßnahmen miteinander zu kombinieren. So können beispielsweise Psychopharmaka den Zugang zur Psychotherapie erleichtern, wenn die Patienten durch eine stark ausgeprägte Symptomatik zu stark eingeschränkt und beeinträchtigt sind. Durch eine gleichzeitige medikamentöse Behandlung kann die Voraussetzung geschaffen werden, von einer Psychotherapie noch mehr profitieren zu können.
Welche Nebenwirkungen gibt es?
Wo eine Wirkung ist, kann auch eine Nebenwirkung auftreten: Wie alle wirksamen Medikamente können bei Psychopharmaka eine Reihe von Nebenwirkungen auftreten, die jedoch durch eine engmaschige Überwachung durch einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder einen Facharzt für Neurologie verringert werden können. Häufig berichtete Nebenwirkungen sind Müdigkeit oder Mundtrockenheit. Diese können vom Facharzt durch eine Dosisreduzierung, die Gabe eines Gegenpräparates oder ein Wechsel auf ein anderes Medikament mit einer besseren Verträglichkeit, minimiert werden. In den letzten Jahren wurden zahlreiche neue Psychopharmaka entwickelt, die hinsichtlich ihrer Verträglichkeit der älteren Generation deutlich überlegen sind. In jedem Fall sollte wie auch bei allen anderen Medikamenten bei Psychopharmaka eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung durchgeführt werden. Ein fachkundiger Behandler unterstützt Sie bei der Einstellung Ihrer Medikation und wählt aus einer Vielzahl von Medikamenten dasjenige aus, welches Ihre belastenden Symptome lindert und Ihre Lebensqualität deutlich verbessert. Lassen Sie sich ausführlich dazu von Ihrem Facharzt beraten.

Literatur:

Köhler, T. (2002). Pharmakotherapie in der Psychotherapie. Ein Kompendium für Psychologen und psychologische Psychotherapeuten. Lengerich: Pabst.

Zurowski, B., & Hohagen, F. (2009). Verhaltenstherapie und Psychopharmaka. In Lehrbuch der Verhaltenstherapie Bd. 1 (S. 313-336). Springer, Berlin, Heidelberg.

http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Klinik-und-Poliklinik-fuer-Psychiatrie-und-Psychotherapie/de/patient_besuch/therapie/psychopharmaka/index.html

https://www.therapie.de/psyche/info/index/therapie/psychopharmaka/ueberblick/

https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/psychopharmaka-die-wichtigsten-fakten-zu-den-umstrittenen-medikamenten-a-1217803.html

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