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Herz, Angst und Depression bei Herzschrittmacher oder implantierbaren Defibrillator

Zu der Therapie kann das Einsetzen eines Herzschrittmachers gehören. Dieses Verfahren stellt heutzutage ein Routineverfahren dar. Ebenso kann ein implantierbarer Cardioverter-Defibrillator (ICD) eingesetzt werden.

Herzrhythmusstörungen werden so durch elektrische Überstimulation oder durch mehrere elektrische Stromstöße beendet. Zunächst wird das Einsetzen eines Herzschrittmachers oder eines Defibrillators von den Herzpatienten als Erleichterung gesehen. Das Wohlbefinden der Betroffenen verbessert sich in den folgenden Monaten. Allerdings kommt es danach häufig zu Problemen und Ängsten. Das Wissen, einen Fremdkörper in sich zu tragen, der den Herzrhythmus reguliert, führt bei vielen Patienten nicht zu einem Gefühl von Sicherheit. Sie fühlen hingegen ein Kontroll- und Autonomieverlust. Speziell die Patienten mit einem Herzschrittmacher können sich „fremdgesteuert“ fühlen, da der Schrittmacher ihren Herzrhythmus kontrolliert. Das Bewusstsein, dass der Herzschrittmacher ein technisches Gerät ist, welches den Rhythmus steuert, führt zudem zu einem Ohnmachtsgefühl. Die Herzpatienten sehen sich als „ausgeliefert“. Diese Gefühle können dazu führen, dass die Patienten den Fremdkörper wieder loswerden wollen. Dies geschieht vor allem, wenn seine Lebensnotwendigkeit nicht erlebt wird. Häufige Defibrillatorschocks können jedoch auch zu schweren Ängsten und Depressionen führen. Die Patienten haben Angst, dass jeden Moment ein Stromschock erfolgen könnte. Diese Schocks werden von den meisten Patienten wie der Griff in eine Haushaltssteckdose oder an einen Weidezaun beschrieben. Insbesondere die mangelnde Vorhersagekraft der Schocks kann zu erheblichen Stress, Ängsten und Panikattacken der Patienten führen. Dies beinhaltet eine starke Einschränkung im alltäglichen Leben. Herzpatienten meiden häufig Aktivitäten, um die Situation unter Kontrolle zu bringen und einen erneuten Schock zu umgehen. Angehörige wissen häufig nicht, wie sie sich verhalten sollen. Der erkrankte Angehörige verhält sich auf einmal anders. Er unternimmt keine Aktivitäten mehr und zieht sich ebenso sozial zurück. Der Grund dafür muss nicht unbedingt die Herzrhythmusstörung an sich sein, es können Ängste und eine Depression sein. Hier ist es wichtig, dass auch die Angehörigen aufgeklärt werden und somit nicht den Teufelskreis einer Angststörung oder einer Depression aufrechterhalten.

In den wenigsten Fällen können auch Gerätekomplikationen dazu führen, dass Schocks ohne medizinische Notwendigkeit ausgelöst werden. Ein solches Eintreten verstärkt die Angst der Patienten um ein Vielfaches und führt zu einem Schonverhalten und weiteren Rückzug. Um solchen Fällen vorzubeugen, ist es wichtig, regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen. Gelingt es, den Herzschrittmacher oder den Defibrillator als einen "Lebensretter" oder einen „Schutzengel“ zu sehen, hat es eine positive Auswirkung auf das Wohlbefinden und den Abbau von Ängsten. Der Herzpatient kann sich wieder wohl fühlen und mehr Kraft empfinden.

Viele Patienten profitieren von Selbsthilfegruppen. Dort können sie sich über ihre Angst und Depression mit anderen Betroffenen austauschen. Ein angstgesteuertes Schonverhalten kann durch gezielte Entspannungsverfahren abgebaut werden. Gleichzeitig lernt der Patient einen adäquaten Umgang mit Stress und aufkommenden Angstsituationen. Für die Angstbewältigung können verhaltenstherapeutische Angstexpositionsübungen eingesetzt werden. Mit Hilfe einer antidepressiven Medikation kann eine Depression in Kombination mit einer psychotherapeutischen Therapie verbessert werden. Hierbei sollte vorher mit dem behandelnden Arzt gesprochen werden, da die Medikamente Wechselwirkungen hervorrufen können.

Quellenverzeichnis:

Ch. Herrmann-Lingen, Ch. Albus & G. Titscher (2014). Psychokardiologie. Ein Praxisleitfaden für Ärzte und Psychologen. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag.

D. Muth-Seidel, K. Langes, A. Stretz & Ch. Hermann-Lingen (2013). Leben mit Herzrhythmusstörungen: Hilfe und Selbsthilfe bei Angst, Depression und Trauma. Dortmund: borgmann

T. Meinertz. Interview: Wie soll man mit Herzrhythmusstörungen umgehen. In: Herzrhythmusstörungen heute. Oktober 2014. Deutsche Herzstiftung.



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